Sicherungsarten

Nur sicher ist sicher

Verlader, Fahrer und Halter vertrauen oft darauf, dass eine ausreichende Ladungssicherung allein durch den Fahrzeugaufbau gewährleistet ist. Oftmals wird nicht zwischen den verschiedenen Aufbauarten und deren unterschiedlichen Festigkeiten unterschieden. Zudem werden wichtige Aspekte der Ladungssicherung wie Reibbeiwerte, Zurrwinkel, das eventuelle Kippverhalten von einzelnen Ladungen sowie die richtige Auswahl der eingesetzten Zurrmittel nicht entsprechend berücksichtigt.

Oftmals beruhen die durchgeführten Sicherungen alleine auf Erfahrungen und Schätzungen. Leider werden oftmals die Festigkeit der Fahrzeugaufbauten sowie die tatsächliche Sicherungskraft der eingesetzten Zurrmittel überschätzt und die physikalischen Gesetze und damit verbundenen Gefahren unterschätzt.

Doch nach welchen Vorgaben muss man nun seine Ladung sichern? Ein Blick in die umfangreichen Vorschriften mit deren Berechnungsformeln verwirrt oftmals nur. Deshalb haben sich viele Verlader schon Verladeanweisungen erstellen lassen (Praxistipp !!)

Es gibt verschiedene Arten seine Ladung zu sichern. Man unterscheidet zwischen Form- und Kraftschluss.

 

Formschluss

bedeutet, dass die Ladungseinheiten so verladen werden, dass ein Verrutschen alleine durch den Fahrzeugaufbau verhindert wird. Bsp: Anlegen an die Stirnwand / an die Seitenwände und Staulücken zu den Seiten / nach hinten werden mit Leerpaletten ausgefüllt.

Zur formschlüssigen Sicherung zählen auch das Schrägzurren, das Direktzurren, das Diagonalzurren oder das Anlegen einer Kopfbucht / einer Seitenschlinge.

 

Kraftschluss

bedeutet, dass die Ladung durch Erhöhung des Anpressdruckes (und somit durch die Erhöhung der Reibungskräfte) gegen ein Verrutschen gesichert wird.

Hierzu zählt das Niederzurren. Beim Niederzurren sind die tatsächlich aufgebrachten Vorspannkräfte (der erhöhte Anpressdruck) und die tatsächlichen Zurrwinkel von ganz entscheidender Bedeutung.

 

Nachfolgend einige Beispiele:

1) Formschluss allein durch den Fahrzeugaufbau / Container 

Formschluss ist die optimalste Ladungssicherung. Natürlich muss hierzu der Fahrzeugaufbau / Aufbau des austauschbaren Ladungsträgers die auftretenden physikalischen Kräfte aufnehmen können. Formschluss bedeutet keine Ladungslücken (max. 3 cm in Längs- / Querrichtung pro laufenden Lademeter und max. 15 cm nach hinten werden toleriert).

Formschluss = erste Bürgerpflicht

Doch leider ist dies nicht immer möglich. Auch reicht oft der Fahrzeugaufbau alleine nicht aus, um die freiwerdenden Kräfte der Komplettladung aufnehmen zu können.

Dann wird in der Regel mit einer Kombination aus Form- und Kraftschluss gesichert.

Nachfolgend weitere Möglichkeiten zur Ladungssicherung.

 

2) Diagonalzurren 

 Beim Diagonalzurren sind (mind.) 4 Zurrmittel erforderlich

 Da  jedes Zurrmittel die Ladung in 2 Richtungen absichert, sind die Zurrwinkel entscheidend.

Der Zurrwinkel α gibt die Höhe des Winkels vor

Der Zurrwinkel β gibt den Abstandswinkel zur Fahrzeugaußenseite an

 

3) Kopf- und Seitenschlinge

 

Kopfschlinge

Diese Art der Sicherung kann eine Ladung sowohl nach vorne als auch nach hinten optimal absichern.

Bsp. nach vorne: Die Belastbarkeit der Stirnwand ist nicht ausreichend oder die Ladung kann nicht formschlüssig an die Stirnwand geladen werden (Lastverteilung / Achslasten).

Eine Kopfschlinge kann aus einem Hebegurt oder 2 Zurrgurten oder auch nur 1 Zurrgurt bestehen.

In der Umreifung kann der LC-Wert des verwendeten Zurrgurtes dann verdoppelt werden. Bsp. bei einem Standardzurrgurt mit einem LC-Wert von 2500 daN können bis zu 5000 daN durch diese Kopfschlinge abgesichert werden. Hierfür bieten sich als Hilfsmittel Leerpaletten an.

Achtung: Zulässige Zugkraft der Zurrpunkte beachten

 
   
vor der Polizeikontrolle nach der Polizeikontrolle

Das Schlingenzurren (wie eine Kopfbucht zu den Seiten) ist eine formschlüssige Sicherung. Es sind beim Sichern zu den Seiten immer mind. 3 Zurrmittel zu verwenden, damit die Ladung sich nicht drehen kann.

 

4) Niederzurren

 

 

Durch die kraftschlüssige Sicherung der Ladung (Niederzurren) wird die Ladung nicht festgebunden, sondern durch die Zurrmittel lediglich heruntergedrückt.

Die Ladung wird dadurch "schwerer gemacht". Durch das dadurch "erhöhte" Ladungsgewicht erhöht sich die Reibungskraft. Der Reibbeiwert bleibt gleich. 

Das Niederzurren wird leider häufig zur Sicherung der Ladung angewandt, obwohl es mit Abstand die schlechteste Möglichkeit ist, Ladung zu sichern.

Hierbei ist der STF-Wert des Zurrmittels lt. Etikett zu beachten. Der um ein Vielfaches höhere LC-Wert ist nicht entscheidend. Der LC-Wert eines Zurrmittels ist nur für die formschlüssige Sicherung entscheidend - wie beim Diagonalzurren.

Beim Niederzurren (kraftschlüssige Sicherung) sichert lediglich die Reibungskraft die Ladung. Beim Direktzurren (formschlüssige Sicherung) sichert die Reissfestigkeit des eingesetzten Zurrmittels die Ladung.

  

Problem:

Beim Niederzurren beträgt die ins Zurrmittel aufgebrachte Vorspannkraft auf der der Ratsche gegenüberliegenden Seite tatsächlich nur ca. 50 %.

Bsp: Ein Standardzurrgurt hat einen LC-Wert von 2500 daN. Der STF-Wert beträgt aber nur 300 daN auf der Ratschenseite. Aufgrund der Reibungs- und Umlenkverluste an der Ladungsoberfläche nur noch ca. 50 % auf der gegenüberliegenden Seite. Insgesamt sichern also in diesem Beispiel ca. 450 daN an Vorspannkraft die Ladung. Diese Vorspannkraft dient als Grundlage zur Berechnung der tatsächlich vorhanden Sicherungskraft. Die Sicherungskraft ist deutlich geringer.

Hergestellt und zugelassen wurde dieser Zurrgurt mit einem LC-Wert von 2500 daN (entspricht ~ 2500 kg). In der Umreifung (wie Kopf- / Seitenschlinge) beträgt die Sicherungskraft dieses Zurrgurtes sogar bis zu 5000 daN (abzüglich der Winkelfunktionen) !

Diese Gegenüberstellung von 450 daN an Vorspannkraft <--> und bis zu 5000 daN an Sicherungskraft mit demselben Zurrgurt zeigt deutlich den Unterschied dieser beiden Sicherungsarten. Somit sind bei einer reinen kraftschlüssigen Sicherung (Niederzurren) der Ladung auch immer eine vielfach höhere Anzahl von Zurrmitteln erforderlich.

Angaben auf dem Zurrgurtetikett einer Langhebelratsche:

LC-Wert = 2500 daN

LC-Wert in der Umreifung = 5000 daN (nicht beim Niederzurren, auch wenn es optisch so aussieht)

STF-Wert = 450 daN

 

 

Der LC-Wert ist entscheidend für die formschlüssige Sicherung: Direkt- und Diagonalzurren, bei einer Kopf-, Seitenschlinge dann doppelt (LC x 2)

Der STF-Wert ist nur für das Niederzurren entscheidend

 

Beispiel oben:

Das Ladungsgewicht dieses Metallblockes beträgt 5430 kg.

Rechnerisch wären bei diesem Zurrwinkel und dem Sichern mit "Standardratschen"

Beim Niederzurren (Sichern mit einem STF-Wert von 300 daN ) wären ca. 75 Zurrgurte erforderlich !!

Beim Sichern mit Kopf- / Seitenschlingen (Sichern mit einem LC-Wert von 2500 daN) wären lediglich 5 Standard-Zurrgurte erforderlich (und die Ladung wäre sogar noch "übersichert")

Nachfolgend 6 Beispiele für sinnloses Niederzurren / Sicherungseffekt = 0