Richtige Ladungssicherung kommt immer gut an

Seit 1996 mit Kursen und Schulungen zur Förderung der Verkehrssicherheit für Sie tätig

Die EU hat im Rahmen der Weiterbildung von Berufskraftfahrern verschiedene Seminarinhalte vorgeschrieben. Ladungssicherung gehört selbstverständlich als ein wesentlicher Themenbereich dazu.

 

Wer kennt es nicht?

Immer wieder hören wir im Verkehrsfunk, dass von Fahrzeugen Ladungsteile heruntergefallen sind.

Die beim Transport durch mangelnde Ladungssicherung nur in Deutschland verursachten Sachschäden werden von der Versicherungswirtschaft auf über 500 Mio Euro pro Jahr geschätzt. Da diese durch Einzelpersonen verursachten Sachschäden auf die Allgemeinheit umgelegt werden, geht das Thema Ladungssicherung uns alle an. Der Anspruch an die Ladungssicherung steigt.

Durch verlorene Ladung werden zudem auch Unbeteiligte gefährdet, es kommt zu Verkehrsunfällen mit Verletzten und im schlimmsten Fall sogar zu Todesfällen.

Bis zu 75 % aller kontrollierten Fahrzeuge weisen Mängel bei der Ladungssicherung auf. Bei über 10 % aller kontrollierten Fahrzeuge sind die Mängel so gravierend, dass die Verkehrssicherheit gefährdet ist und die Weiterfahrt vorerst untersagt werden muss.

 

Gründe für die mangelnde Ladungssicherung sind häufig

- Zeitmangel

- Unterschätzen der Gefahr einer ungesicherten Ladung

 

Aber auch mangelndes Hintergrundwissen

- über die vorhandenen physikalischen Kräfte

- über die Festigkeit von Fahrzeugaufbauten

- über die verschiedenen Möglichkeiten / Arten der Sicherung

- mit deren Vor- und Nachteilen

 

Ladungssicherung ist nicht alles

Aber alles ist oft nichts ohne Ladungssicherung

 

 

Rechtliches / Folgen

 

Recht verständlich

Nicht nur das richtige Sichern bereitet in der Praxis oft Probleme

Ist es zu Schäden durch mangelnde Ladungssicherung gekommen, stellt sich oft die Frage:

  • Wer ist eigentlich für die richtige Sicherung der Ladung verantwortlich?
  • Wer haftet für die entstandenen Schäden durch die mangelnde Ladungssicherung? 

 

 

§§

Alle am Gütertransport Beteiligten

sind für die richtige Ladungssicherung verantwortlich 

 

§§

Vorschriften

Absender /

Verlader

Fahrzeugführer

bei der Beladung

vom Fahrzeug dabei

Fahrzeugführer

bei der Übernahme

eines vorgeladenen Fzg.

Frachtführer /

Halter

§ 22 StVO  X X    
§ 23 StVO     X  
§§ 30, 31 StVZO       X
§ 412 HGB X     X
§ 823 BGB X X X X
ADR X X X X
VBGL X X   X
ALB-Cargo DB X     X
ADSp X X   X

 

Weitere Verantwortliche können zusätzlich noch sein:

  • Entscheider für die Transportverpackung
  • Besteller von Fahrzeugen und Hilfsmittel
  • Versandleiter
  • Spediteur / Frachtführer
  • Gefahrgutbeauftragter
  • der Verkehrsleiter

 

Anmerkung:

Alle Klauseln auf Lieferscheinen, die den Fahrzeugführer allein für die Ladungssicherung verantwortlich machen sollen, sind rechtlich unwirksam

Es wäre auch fatal, wenn zivilrechtlich geschlossene Verträge die geltenden Rechtsvorschriften außer Kraft setzen könnten

Die Aufgaben (das Sichern der Ladung) kann auf den Fahrer übertragen werden

Aber die Verantwortung verbleibt immer auch beim Verlader in Form von mind. stichpunktartigen Kontrollen der durchgeführten Ladungssicherung

 

Wenn die Ladung rutscht, hat der Halter Pech gehabt 

Schäden am Fahrzeug durch mangelnde Ladungssicherung stellen keinen Unfall- schaden dar. Deshalb müssen sie im Rahmen der Vollkaskoversicherung nicht reguliert werden. Das steht in den allgemeinen Bedingungen für Kfz-Versicherung.

Hierauf muss ein Berater bei Abschluss eines Versicherungsvertrages nicht ausdrücklich hinweisen. Quelle: Landgericht Duisburg, Az 1-160/09

  

 

Richtige Ladungssicherung bedeutet Schutz 

 

- des Lebens und der Gesundheit aller am Transport Beteiligten

 

- und der Ladung vor Beschädigung

Alle am Transport beteiligten Personen

sind für die ordnungsgemäße Ladungssicherung verantwortlich

In den Vorschriften werden genannt: Absender, Verlader, Fahrer und Halter 

 

 

Ladungssicherungsverstöße ziehen meist für alle Beteiligten eine Ordnungswidrigkeitenanzeige nach sich

Nachfolgend eine Übersicht über die möglichen Ordnungswidrigkeiten / Bußgelder / Punkte

§ 22 StVO bei einem Lkw / KOM (hier Kraftomnibus ohne Fahrgäste) 

 

Verstoß immer für den Verlader

und für den Fahrer,

der auf den Beladevorgang einwirken konnte

(also bei der Beladung dabei war)

ohne Gefährdung 60,- € / 1 Pkt
mit Gefährdung 75,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 100,- € / 1 Pkt
bei anderen Fzg (wie Pkw) bzw. dessen Anhänger
ohne Gefährdung 35,- €
mit Gefährdung 60,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 75,- € / 1 Pkt
 § 23 StVO    

Verstoß nur für den Fahrer, 

der keinen Einfluss auf den Beladevorgang hatte,

also ein vorgeladenes Fzg. übernimmt

(der Verlader bekommt trotzdem sein Bußgeld gem. § 22 StVO) 

ohne Gefährdung 25,- €
mit Gefährdung 80,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 120,- € / 1 Pkt
§ 31 StVZO bei einem Lkw / KOM (hier Kraftomnibus ohne Fahrgäste)

Verstoß für den Halter

(die Bußgelder gegen den verantwortlichen Verlader und Fahrer bleiben bestehen)

mit Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit 270,- € / 1 Pkt
mit Gefährdung 325,- € / 1 Pkt
mit Verkehrsunfall 390,- € / 1 Pkt

Für KOM mit Fahrgästen und Fahrzeugen mit Gefahrgut

sind die Bußgelder entsprechend höher

 

Bei Transporten mit kennzeichnungspflichtigem Gefahrgut (gem. GGVSE / ADR)

sind die Bußgelder für den Verlader / Fahrer / Halter erheblich höher.

Ist die Ameise auf diesem Foto ausreichend gesichert? Nein, denn das Unterlegen von einem Kantholz verhindert nur das Wegrollen der Ameise. Dies ist keine ausreichende Ladungssicherung.

Selbst wenn das Gefahrgut (hier der IBC) ausreichend gesichert sein sollte, liegt hier auch ein Gefahrgutverstoß vor.

Denn das Gefahrgut ist durch andere, nicht ausreichend gesicherte, Ladungen auf dem Lkw gefährdet.

   

 

 

Doch wie sieht es mit Straftaten aus ?

Durch mangelnde Ladungssicherung können Sie auch zum Straftäter werden

Viele denken jetzt wahrscheinlich nur an den Fahrer eines Lkw, der einen Fehler gemacht hat und erwartungsgemäß dafür bestraft wird

Aber Achtung !!     Waren Sie vielleicht vor 7 Stunden der verantwortliche Verlader ???

Dann sind Sie als Verlader, abends beim Fußballgucken im Beisein ihrer Familie, soeben zum Verantwortlichen für den Schadenseintritt und somit zum Straftäter geworden !! 

Oder sind Sie vielleicht Halter eines Lkw, der soeben irgendwo in Deutschland einen Verkehrsunfall durch mangelnde Ladungssicherung verursacht hat ?

Dann können Sie soeben beim Durchlesen dieses Textes auf meiner Homepage eine Straftat verursacht haben

   

 

Nachfolgend eine Übersicht der in Frage kommenden Straftaten 

§§ des StGB (Strafgesetzbuch) Freiheitsstrafe bis zu  
§ 303 Sachbeschädigung 2 Jahren oder Geldstrafe
§ 223 Körperverletzung 5 Jahren oder Geldstrafe
§ 222 Fahrlässige Tötung 5 Jahren  oder Geldstrafe
§ 315 b Gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr (für den Fahrer durch verlorene Ladung) 5 Jahren (und in der Regel bis zu 9 Monaten Führerscheinentzug) oder Geldstrafe
§ 324 Umweltstraftaten (durch einen Unfall Erdreich / Gewässer verunreinigt) 5 Jahren oder Geldstrafe

 

 
 

 

 

Stellen Sie sich hier einmal einen Auffahrunfall mit einem Kleinwagen oder schlimmstenfalls mit einem Motorradfahrer vor

 

 

Diesen „Weihnachtsmann“

verlor ein Schausteller von seinem Lkw auf der linken Spur der A 1 im Bremer Bereich

Einrichtungen / Hilfsmittel

 

Jederzeit Sicherheit - für Sicherheit hat jeder Zeit

Bei der Ladungssicherung wird zwischen 'Einrichtungen' und 'Hilfsmitteln' unterschieden

Einrichtungen sind solche, die fest mit dem Fahrzeug fest verbunden sind

Hilfsmittel sind solche, die mitgeführt werden und nicht zum festen Fahrzeugaufbau gehören

 

Zu den Einrichtungen am Fahrzeug gehören u.a. der Fahrzeugaufbau mit Stirnwand und den Seitenwänden, Rungen, Spriegelbretter, Seitenplane, Zurrpunkte, Lochleisten, Palettenanschlagleisten, im Fahrzeugboden verankerte Lochschienen, Coilmulden, ...

Zu den Hilfsmitteln auf dem Fahrzeug gehören u.a. Zurrgurte, Zurrketten, Klemmbretter, Sperrstangen, Netze, Planen, Keile, RHM (Antirutschmatten), ... 

 

 

Einrichtungen - hier einige Beispiele

(Fahrzeugaufbauten und deren Festigkeit werden unter "Lkw-Aufbauten" dargestellt)

 

Zurrpunkte

Seit 10/1993 müssen national aufgrund der Bestimmungen der BG Verkehr alle Neufahrzeuge zur Güterbeförderung mit Pritschenaufbau, Pkw-Kombis und Kastenwagen mit Zurrpunkten ausgerüstet sein

 

Europaweit wird diese Ausrüstungspflicht ab 01/2001 von der DIN EN 12 640 gefordert

Es besteht keine Nachrüstpflicht

Fahrzeuge zum Transport von Schüttgütern und Spezialfahrzeuge sind von dieser Norm ausgenommen

 

 

Die zulässige Belastbarkeit von Zurrpunkten richtet sich nach der zulässigen Gesamtmasse (zGM) des Fahrzeuges

  800 daN bei Fahrzeugen von 3,5 - 7,5 t

1000 daN bei Fahrzeugen von über 7,5 - 12,0 t

2000 daN bei Fahrzeugen von über 12,0 t

 

Diese gesetzlich geforderte Mindestbelastbarkeit pro Zurrpunkt gilt für alle Fahrzeuge zur Güterbeförderung, auch für Sattel- / Anhänger

 

Die Gesamtzugkraft aller vorgeschriebenen Zurrpunkte ergibt dann addiert mindestens das 1,5fache der jeweils zulässigen Nutzlast vom Fahrzeug

Diese neueren Lochleisten aller namhaften

Fahrzeughersteller können grundsätzlich

auch mit je 2000 daN pro "Loch" belastet werden

(abhängig von der Anzahl der Belastungen / Meter)

ohne Worte

 

   

Zugelassene Zurrpunkte nehmen die erforderlichen Sicherungskräfte auf und leiten diese in die festen Einrichtungen des Fahrzeuges ein

      
 

 

Palettenanschlagleiste

Hierbei handelt es sich um wenige cm hohe Metallleisten, die fest mit dem Außenrahmen verbunden sind und dadurch Formschluss zu den Seiten herstellen können. Die Palette kann bei formschlüssiger Beladung nicht zu den Seiten verrutschen.

Doch was ist mit der Ladung auf der Palette?

Ist sie auch fest mit der Palette verbunden?

 

Handelt es sich hier um eine stabile Ladeeinheit?

Falls nein, sind lediglich die Paletten durch diese Palettenanschlagleiste gesichert.

Die Ladung auf der Palette muss extra zu den Seiten gesichert werden.

Hierfür bieten sich Alu-V-Latten an.

 

Sprinter

Auch für Kleintransporter bieten mittlerweile viele Hersteller, aufgrund der erhöhten Nachfrage, unterschiedliche Möglichkeiten an, um die Ladung ordnungsgemäß zu sichern.

In Verbindung mit diesen zusätzlichen Einrichtungen im Bereich der Ladefläche sind Ladungssicherungsnetze, die in unterschiedlichen Größen angeboten werden, oftmals eine sehr gute Lösung.

 

Hilfsmittel - einige Beispiele

 

Planen / Netze für Mulden / offene Ladeflächen

Wenn die Gefahr besteht, dass Schüttgüter auf die Fahrbahn fallen / wehen können,

müssen die Mulden abgedeckt sein

Die Art der Abdeckung ist nicht vorgeschrieben

Die vorgeschriebene Abdeckung muss aber natürlich der jeweiligen Ladung angepasst sein

Beispiele:

Mulde mit Bauschutt / größeren Steinen: Evtl. reicht ein starkes Netz (auf diesem Foto natürlich nicht !!)

Mulde mit losem Sand:  Dicht schließende Abdeckplane

 

Anmerkung: Selbstverständlich müssen auch die Mulden auf dem Transportfahrzeug richtig gesichert werden

Diese Absetzmulde steht ungesichert auf dem Lkw

Ca. 50 cm Staulücke zu den Anschlagwinkeln vorne und zu den Seiten jeweils ca. 20 cm Staulücke

Keine Direktzurrung vorhanden

 

Zurrgurte

Zurrgurte bestehen aus gewebter Chemiefaser. Die Farbe des Etikettes / Label gibt über den verwendeten Werkstoff des Gurtes Auskunft. Die Farbe des Gurtbandes ist von den Herstellern frei wählbar (anders bei Hebegurten). Überwiegend werden Polyester (PES) - Zurrgurte hergestellt und verwendet. Der "Standard" PES-Zurrgurt hat das vorgeschriebene blaue Etikett.

Etikett gem. DIN EN 12 195-2 (ab 02/2001):

Die Werte "SHF", "STF" und "LC" sind europaweit vorgeschrieben

SHF = Normale Handkraft (Standard Hand Force). Diese Vorspann-Prüfkraft wurde europaweit mit 50 daN bei allen Zurrgurten als Einheitswert festgelegt

STF = die Kraft im Gurt, die man bei Betätigen der Ratsche mit 50 daN aufbringen kann (Standard Tension Force). Hier kommen sehr unterschiedliche Werte zustande. Dafür ist alleine die Ratsche verantwortlich. Stichworte: Hebelwirkung / Anzahl, Anordnung und Größe der Zähne / Anordnung und Anzahl der Sperrschieber, …

 

 

 

Für den Wert "LC" (Lashing Capacity = maximale Belastbarkeit des Zurrgurtes)

ist nicht die Ratsche (mit der aufgebrachten Vorspannkraft dem STF-Wert),

sondern die Belastbarkeit des Zurrgurtbandes ausschlaggebend

 

 

Zurrgurte im gewerblichen Bereich müssen der DIN EN 12195-2 entsprechen

Die zulässige Benutzung der Zurrgurte unterliegt keiner zeitlichen Befristung

Erst wenn verwendete Zurrgurte nicht mehr der Vorschrift entsprechen, dürfen sie nicht mehr eingesetzt werden

 

Man spricht dann von "Ablegereife"

 

Einige Beispiele dafür sind:

Der Zurrgurt ist nicht gem. DIN EN 12195-2 zugelassen

Das Gurtband ist verknotet

Das Etikett fehlt oder ist nicht mehr lesbar

Das Gurtband ist oberflächlich oder seitlich mehr als 10 % eingeschnitten

Das Gurtband wurde durch Scheuern an der Ladung (nach dem Zurren von scharfkantigen Ladungen ohne Kantenschoner) beschädigt

Das Hakenmaul ist mehr als 5 % aufgeweitet

Die Ratsche ist verbogen

Fälschungen aus Asien

Leider treten mittlerweile immer mehr Fälschungen von Zurrgurten aus Asien auf. Vertrieben werden die (schlechten) Fälschungen über die beiden großen Online-Kaufhäuser und Restpostenmärkte

Alle bislang durchgeführten Tests haben eindeutig ergeben, dass die auf dem Etikett aufgedruckten Werte niemals erreicht werden.

 

Hinweise auf asiatische Fälschungen sind u.a. auf dem Etikett (auch blau) Rechtschreibfehler, Rechenfehler (wie links -> 2 x 2000 ergibt nicht 5000), überhohe und unlogische hohe Werte

Mittlerweile wird leider auf diesen gefälschten Zurrgurt-Etiketten auch schon der Hinweis auf die DIN EN 12195-2 aufgedruckt

 Aber der Aufdruck "CE" ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass hier ein Plagiat vorliegt. Denn CE auf Zurrgurten ist lt. DIN EN 12195-2 nicht vorgesehen. Hier meint auch "CE" = China Export und darf nicht mit dem Konformitätszeichen der EU verwechselt werden.

 

Auf eine Darstellung weiterer Hilfsmittel wie Reibbeiwert (Antirutschmatten - RHM) / Besen zur Reibbeiwerterhöhung / Zurrketten / Zurrseile / Klemmbretter / Absperrbalken wie im Code XL / Unterlegkeile oder Holz oder Aluminium - genagelt oder fest in einer Schiene verankert  / Ladungssicherungs-Netze wird hier verzichtet. Dies würde den Rahmen einer 'kurzen Übersicht' auf der Homepage sprengen.

 
 

 

 

 

Physik

 

Mit mir können Sie rechnen  

Jede Ladung ist beim Transport verschiedenen Kräften ausgesetzt

Diese Kräfte wirken auf die Ladung in verschiedene Richtungen

Bei einer Vollbremsung nach vorne

Beim Abbremsen in Kurven zu den Seiten

Aber auch nach hinten wirken Kräfte auf die Ladung

Laut eindeutiger Rechtsprechung gehören

Vollbremsungen, schlechte Fahrbahnen (wie Kopfsteinpflaster, Schlaglöcher, das Überfahren von Schienen),

Beschleunigen / Abbremsen in Kurven (wie Autobahnausfahrten)

und (auch gleichzeitig) plötzliche Ausweichmanöver

zum "normalen Fahrbetrieb"

 

Für diese "alltäglichen" Verkehrssituationen muss die Ladung gegen

Verrutschen, An- / Umkippen, Herabfallen gesichert sein

 

Leider sind immer noch einige Irrtümer bezogen auf die Ladungssicherung verbreitet

 

 

 "Die Ladung ist so schwer,

sie kann gar nicht verrutschen"

 

Tatsache ist: Ob ein Ladegut verrutscht oder nicht, ist unabhängig von seinem Gewicht

 

 

Für die Ladungssicherung bedeutet das:

Je schwerer ein Ladegut ist,

desto mehr Sicherungskraft muss aufgebracht werden

 

 

 

 

"Die Ladung ist so schwer,

sie kann gar nicht kippen."

 

Tatsache ist: Ob ein Ladegut kippt, ist unabhängig von seinem Gesamtgewicht

Entscheidend ist alleine die Schwerpunkthöhe in Relation zur Aufstandsfläche

 

 

 

 

Hier wurden die Container nur aufgeladen - nicht gesichert - 

Auch auf Kurzstrecken ist jede Ladung ordnungsgemäß zu sichern

 

 

Noch ein häufig verbreiteter Irrtum

 "Ich habe die Ladung doch mit diesem 2,5 Tonnen Zurrgurt niedergezurrt.

Also ist die Ladung jetzt auch mit 2,5 Tonnen gesichert."

 

Anmerkung zu dem Foto:

Hier wird gerade unzulässiger Weise mit einer Brechstange die Vorspannkraft einer Kurzhebelratsche erhöht

Verbogene Hebel und Schlitzwellen der Zurrgurte sind das gefährliche Ergebnis

Tatsache ist:

Beim  Niederzurren ist die zulässige Belastbarkeit des Zurrgurtes (LC = 2500 daN) nicht entscheidend

Beim Niederzurren zählt alleine die aufgebrachte Vorspannkraft (STF-Wert) im Zurrgurt. Bei einer Standardratsche sind das lediglich ca. 300 daN

Diese 300 daN entsprechen einer zusätzlichen Gewichtskraft von ca. 300 kg, mit der die Ladung lediglich zusätzlich heruntergedrückt wird, um so die Reibkraft zwischen Ladung und Ladefläche zu erhöhen

Die Ladung wird beim Niederzurren nicht festgebunden, sondern nur heruntergedrückt !!

 

Lkw Aufbauten

 

Richtige Ladungssicherung, weil's gut ankommt

Unsicherheit besteht bei vielen am Transport Beteiligten, wenn es um die Festigkeit des Fahrzeugaufbaus geht. Wie viel Kräfte kann welcher Aufbau abfangen?

 

 

"Ich habe doch noch meine Stirnwand.

Muss ich trotzdem meine Ladung noch nach vorne absichern?"

 Tatsache: Für den Aufbau von Lkw und Anhänger die vor 04/2002 hergestellt wurden, gab es keine nationalen oder internationalen Konstruktionsnormen

 

Anmerkung: Gilt bei einem Nachweis (Zertifikat/Gutachten) natürlich auch für Curtainsider

Code L

(ab April 2002 vorgeschrieben)

Code XL

(ab Herbst 2006 möglich)

 Stirnwand   40 % der Nutzlast   50 % der Nutzlast
 Rückwand 25 % der Nutzlast  30 % der Nutzlast
 Seitenwand 30 % der Nutzlast  40 % der Nutzlast

Bsp:    Ladungsgewicht: 10 t      auf einem Code L Fahrzeug

Ladung auf Europaletten auf Siebdruckboden (Standardladefläche)

Massenkraft = 10.000 daN      Reibbeiwert = 0,3      Nutzlast = Ladungsgewicht = 10 t

8000 daN (0,8 x G) müssen nach vorne abgesichert werden

Widerstandskraft durch die Reibung = 3000 daN

Belastbarkeit der Stirnwand (nur bei Formschluss nach vorn) = 4000 daN (40 % der NL)

Im Ergebnis müssen noch 1000 daN an Sicherungskraft für die erforderliche Sicherung nach vorne aufgebracht werden

Anmerkung: Auf einem Code XL wäre diese Ladung ausreichend nach vorne abgesichert

Aufbauten gem. Code XL sind in der Regel extra gekennzeichnet. Hier drei Beispiele der größten Nutzfahrzeughersteller Europas.
   
 

Auch in Deutschland werden von verschiedenen Herstellern

zusätzlich noch verstärkte Stirnwände angeboten

Diese verstärkten Stirnwände können 

wesentlich höhere Kräfte aufnehmen

(somit auch zugelassen zum Transport auf der Schiene)

 

 

Beim Hamburger Verdeck unterteilen sich die 30 % beim Code L zusätzlich noch vertikal wie folgt: 

- 24 % unten für die Ladebordwand

- 6 % oben für die Plane / Spriegel

Vorteile der Curtainsider sind das geringe Gewicht als Leerfahrzeug und die Zeitersparnis beim Be- und Entladevorgang

Nachteile der Curtainsider sind: Es geschehen leider immer wieder Verkehrsunfälle mit Curtainsidern wegen der mangelnden seitlichen Aufbaufestigkeit

 

Tatsache ist: Von einigen Herstellern wurde die eigene Seitenplane als reiner Wetterschutz bezeichnet

Achtung: Das "erlaubte" Ausbeulen der Seitenplane von 30 cm ist lediglich ein Prüfkriterium für den Hersteller.

Jedes Ausbeulen der Seitenplane im öffentlichen Straßenverkehr ist immer ein Verstoß. Das Fahrzeug überschreitet dadurch die zulässige Breite. Zusätzlich wird hier regelmäßig tateinheitlich ein Verstoß wegen mangelnder Ladungssicherung vorliegen. Formschluss bei einer flexiblen Plane?

Bei einem Curtainsider muss die vorhandene Aufbaufestigkeit immer durch ein Gutachten / Zertifikat vom Fahrer nachgewiesen werden.

Natürlich müssen alle im Gutachten aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sein, damit der seitliche Aufbau des Curtainsiders auch zur Ladungssicherung genutzt werden kann (als Beispiel die Anzahl der Einstecklatten muss stimmen und sie müssen auch auf beiden Seiten gleichmäßig verteilt sein).

 

 

Grundvoraussetzung

um jeglichen Aufbau zur

Ladungssicherung nutzen zu können,

ist Formschluss

(hier klappbare Alulatten)

Kühl- und Kofferaufbauten sind in der Regel stabiler als Curtainsider mit einem Code XL Aufbau 

 Bei formschlüssiger Ausladung ist somit eine ausreichende Ladungssicherung nach vorne und zu den Seiten gegeben

Lediglich die Sicherung nach hinten bereitet oft Probleme